Das Thema Faszien liegt zurzeit in aller Munde. Stichworte wie verklebte Faszien, Faszienrolle, Faszientraining, Triggerpunkte oder Faszienmassage sind dir in letzter Zeit wahrscheinlich schon öfter begegnet. Faszienmassagen gibt es jedoch schon seit über 50 Jahren. Früher wurden sie oft belächelt, heute ist es eine angesehende Behandlungsmethode gegen körperliche Beschwerden. Worum es sich genau handelt und was eine fasziale Behandlung bewirkt, klären wir in diesem Artikel. Wir schauen uns an, was genau unter einer faszialen Behandlung verstanden wird und mit welchen Wirkungen du rechnen kannst.

 

Was sind Faszien?

Es ist wichtig, die Bestandteile, Eigenschaften und Funktion der Faszien zu kennen, um die Wirkungsweise von Faszienmassagen zu verstehen.Der Laie kennt Faszien unter dem Begriff Bindegewebe. Die wissenschaftliche Definition ist umfangreicher. Genau genommen zählt nicht nur das muskel- und Organumschließende Gewebe zu dem Begriff “Faszie”, sondern auch Sehnen, Bänder, Gelenkplatten und Ähnliches.

Die Herkunft des Wortes “Faszie” gibt einige Aufschlüsse auf ihre Eigenschaften und Funktionsweise. Faszie bedeutet im lateinischen “Band”. Du kannst es dir wie eine Faser bei einem Strickpullover vorstellen. Verflechtet ergeben die Fasern ein Netz aus Faszien, das durch den gesamten Körper geht und die einzelnen Elemente des Körpers miteinander verbindet.

Faszien bestehen zum größten Teil aus Wasser. Weitere Bestandteile sind Elastin und Kollagenfasern, dich sich geflechtartig verweben.

Die genannten Bestandteile ermöglichen der Faszie folgende Eigenschaften:

  • Stabilität
  • Elastizität
  • Gleitfähigkeit
  • Reißfestigkeit

Bei einer geschälten Mandarine wird das Fasziengewebe sichtbar:

Faszien Orange

 

Welche Funktion haben Faszien?

 

Faszien wurden lange unterschätzt, da sie als reines Füllmaterial abgetan wurden. Die Forschungen der letzten 20 Jahre geben immer mehr Aufschlüsse über die Wichtigkeit der Faszien im menschlichen Körper. Im Folgenden stelle ich dir die drei relevantesten Aufgaben des Fasziennetztes vor.

Verbindungselemt: Das Fasziennetz verleiht unserem Körper Struktur und sorgt dafür, dass die einzelnen Elemente ineinander greifen. Die Faszien ermöglichen dem Körper, als Einheit zu fungieren. Es dient als Verbindungsstück zwischen Muskel und Knochen. Den engen Wechselwirkungen mit anderen Elementen des Körpers verdanken wir die vielfältige Funktionsweise unseres Körpers.

Wir müssen uns allerdings auch darüber bewusst sein, dass Störungen des faszialen Gewebes weitreichende Folgen auf den menschlichen Organismus haben können.

 

Transportachse für Nährstoffe: Durch das fasziale Bindegewebe führen wichtige Transportwege für Nährstoffe. Lymphgefäße führen direkt durch das Gewebe. Durch diese Lymphgefäße fließt Lymphflüssigkeit, die als Transportmittel für Nährstoffe und Stoffwechselabbauprodukte dient. Diese Funktion darf nicht behindert werden, damit sich die Zellen ständig erneuern können und eine vollständige Regeneration gewährleistet werden kann.

 

Sinnesorgan: Zwar gelten Faszien nicht als gleichwertiges Sinnesorgan zu den herkömmlichen fünf Sinnesorganen Ohren, Augen, Nase, Mund und Haut, dennoch reagieren Faszien auf verschiedene Reize. Das Fasziennetzwerk zeigt Reaktionen auf interne und externe Reize und sendet permanent Signale an das Gehirn.

Es konnten Veränderung im faszialen Bindegewebe festgestellt werden, als der Druck, die Temperatur und die Lage im Raum verändert wurden.

Zudem haben auch psychische Faktoren direkten Einfluss auf deine Faszien. Dauerhafter Stress kann beispielsweise zu einer ungesunden Anspannung der Faszien führen.

 

Warum sind Faszien für so viele Schmerzen verantwortlich?

 

Verklebte Faszien werden immer häufiger als mögliche Ursache für Schmerzen in Betracht gezogen. Sie sorgen für eine Behinderung der oben genannten Funktion. Besonders für Patienten mit Rückenbeschwerden versprechen die neuen Erkenntnisse in diesem Bereich viel Hoffnung.

Verklebte Faszien behindern den Nährstofftransport

Wie wichtig der Lymphfluss für die Regeneration und die Erneuerung der Zellen ist, weißt du schon. Bei einer Verhärtung oder gar einer Verklebung der Faszien wird der Vorgang vom Nährstofftransport und Abtransport von Schadstoffen behindert.

Aufgrund von Verhärtungen werden die Lymphgefäße abgeklemmt und es entsteht ein sogenannter Lymphstau. Durch den Lymphstau reichert sich Fibronegen an, welches dann die Faszien verklebt. Dadurch können die betroffenen Gebiete nicht mehr ausreichend versorgt werden.

Ein typisches Beispiel dafür ist der Tennisarm. Durch eine dauerhafte Überlastung verhärten sich die Faszien erst und verkleben dann. Die Entzündung am Ellenbogen kann vom Körper nicht bekämpft werden, da die Transportbahnen versperrt sind.

 

Ursache für Rückenschmerzen

In den letzten 50 Jahren wurden bei Rückenschmerzen fast ausschließlich die Bandscheiben in Betracht gezogen. Oftmals blieben die dafür konzipierten Therapieansätze erfolglos. Nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen dieses Jahrhunderts werden immer häufiger verklebte Faszien als mögliche Ursache für diverse Schmerzen verdächtigt.

Der Faszienforscher Dr. Robert Schleip geht sogar davon aus, dass 80 % aller Rückenbeschwerden von verklebten Faszien ausgehen. Die größte Faszie des menschlichen Körpers, die Lumbalfaszie, führt durch den Rücken. Laut Schleip besitzt die Faszie mindestens sechsmal soviele Schmerzrezptoren, wie der Muskel an sich. Besonders im unteren Rücken besitzt sie sehr viele Schmerzrezeptoren und reagiert deshalb sehr empfindlich auf Verhärtung und Verklebungen.

Sowohl die Muskeln als auch die Faszien, sind im unteren Rücken einer enormen Belastung ausgesetzt. Beim Sitzen und Stehen lastet ein Großteil des Eigengewichtes auf dem unteren Rücken, welches auf Dauer zu einer Überlastung führen kann.

 

Druck – und Spannungsschmerzen

Viele alltägliche Schmerzen sind auf Verspannungen und einem daraus resultierenden Druck zurückzuführen. Früher ist man davon ausgegangen, dass die Verspannung im Muskel entspringt. Heute weiß man, dass das umliegende Fasziengewebe sie zusätzlich oder gar ausschließlich im Fasziengewebe ihre Ursache findet.

Ein typisches Beispiel für Spannungsschmerzen sind Kopfschmerzen, die mit einem verspannten Nacken einhergehen.

 

Warum verkleben Faszien?

 

Die Ursachen für verklebte Faszien sind sehr vielfältig. Ein häufiger Grund ist mangelnde Bewegung. Ein Bewegungsmangel führt dazu, dass die Faszien an Elastizität und Geschmeidigkeit verlieren.

Überlastung habe ich als mögliche Ursache bereits beiläufig erwähnt. In diesem Fall sind die verklebten Faszien meist auf eine einseitige und monotone Belastung zurückzuführen.

Auch Stress wirkt sich negativ auf das Fasziengewebe aus. Wie bereits erwähnt, entstehen unter der Aussetzung von Stress Spannungen im Gewebe. Über einen kurzen Zeitraum ist das unproblematisch. Besteht die Verspannung über einen längeren Zeitraum, werden aus den Verspannungen Verklebungen, die nur durch gezielte Faszienmassagen behandelt werden können.

 

Was passiert bei einer Faszienmassage?

Faszien Rolfing Faszienmassage

Bei einer Faszienmassage werden die sogenannten Triggerpunkte aufgebrochen. Triggerpunkte sind die Stellen, an denen das Gewebe verklebt ist. Das Ziel der Faszienmassage ist, dass die Verklebungen gelöst werden, sodass sich das ganze Gewebe entspannt und die Lymphflüssigkeit wieder ungestört fließen kann.

Faszienmassagen können auch als Präventivmaßnahme genutzt werden, um das Verletzungsrisiko zu reduzieren und die Regenerationsfähigkeit zu verbessern.

Der Masseuer oder die Masseurin sucht den Körper zuerst auf Triggerpunkte ab. Ist einer gefunden, wird die verklebte Stelle, solange durchgeknetet, bis sie verschwunden ist. Bei starken Verklebungen behilft man sich mit Faszien-Sticks, die den punktuellen Druck erhöhen. Du kannst es dir wie die Rückseite eines Kochlöffels vorstellen.

Diese Therapie kann unter Umständen stark schmerzen, ist aber extrem effektiv.

 

Rolfing: Rolfing ist eine Therapieform, die schon existierte, bevor die Wichtigkeit des Fasziengewebes wissenschaftlich bestätigt wurde. Um 1950 wurde sie von Ida Rolf entwickelt.

Der Hauptfokus dieser Behandlung liegt darin, mit gezielten Behandlungen die Haltung und Funktionsweise des Körpers zu verbessern.

Als Ursache für Faszienverklebungen sah Ida Rolf die “schlechte” Haltung im Alltag und insbesondere bei Sportlern die einseitigen Bewegungsabläufe. Zudem manifestierte sie Fehlstellungen aufgrund von Verletzungen oder Unfällen.

Bei dieser Behandlungsform werden die Bewegungs- und Haltungsmuster einer Person analysiert und daraufhin gezielt nach den verklebten Punkten gesucht, die anschließend mit einer Massage gelöst werden.

 

Myofasziale Therapie: Bei der myofaszialen Therapieform wird der Körper vorerst auf bestimmte Problempunkte wie Verkürzungen, Verhärtungen oder ähnlichem inspiziert. Anschließend werden die sogenannten Triggerpunkte mit verschieden Massagetechniken sanft massiert.

Ob eine sanfte Therapie besser oder schlechter, als die “normale” Faszientherapie ist, ist ungewiss. Mit beiden Therapieformen konnten bereits große Erfolge erzielt werden. Welche besser zu dir passt, probierst du am besten selbst aus.

Was ist der Unterschied zu einer “normalen” Massage?

Der  Hauptunterschied besteht darin, dass eine Fasziemassage punktuell erfolgt. Zudem werden die Triggerpunkte tief gehender behandelt.

Wirkungsweise einer Faszienmassage im Überblick:

  • bessere Regeneration
  • Muskeln können mehr leisten
  • weniger Schmerzen
  • Förderung des Bewegungsablaufes
  • Verbesserung der Körperhaltung
  • Verletzungen heilen schneller

 

Faszienmassage selbst durchführen

 

Mithilfe von Faszientools kannst du die Faszienmassage auch selbst durchführen. Von der Faszienrolle hast du bestimmt gehört. Im Grunde passiert dabei das gleiche, wie bei einer Massage von einem Masseur/einer Masseurin. In diesem Fall werden die massierenden Hände von der Faszienrolle ersetzt.

Der Vorteil ist, dass du diese Massage mit einfachen Hilfsmittel jederzeit selbst durchführen kann.

Bei der Selbstmassage mit der Faszienrolle gehst du genau so vor, wie der Masseur/die Masseurin. Zuerst suchst du beispielsweise deinen Rücken nach einem Triggerpunkt, einer verklebten Stelle, ab. Dafür rollst du langsam deinen Rücken entlang. Wenn du einen schmerzhaften Punkt gefunden hast, massierst du ihn, solange bis er verschwindet. Manchmal klappt das nach 30 Sekunden, manchmal muss man es auch mehrmals machen.

Je nach Körperregion gibt es unterschiedliche Tools. Für besonders hartnäckige Triggerpunkte gibt es einen Faszienball. Durch die kleine Auflagefläche kann der Druck sehr effektiv komprimiert werden.

3 Übungen zur Selbstmassage mit der Faszienrolle

Rücken: Der Rücken ist besonders anfällig für verklebte Faszien. Die Ursache dafür liegt, wie bereits erwähnt, darin, dass wir zu viel sitzen.

Du fängst knapp über der Wirbelsäule an und arbeitest dich Stück für Stück nach oben. Dabei gilt: 2 cm vor und 1 cm zurück.

Faszientraining

Oberschenkel:

Im Grunde musst du beim Oberschenkel genau so vorgehen, wie beim Rücken. Du beginnst knapp über dem Knie und arbeitest dich dann langsam nach oben. Wenn du mit der Vorderseite fertig bist, kannst du noch deinen seitlichen Oberschenkel bearbeiten.

Faszientraining Faszienrolle

Wade:

Diese Übung ist für alle wichtig, die viele auf den Beinen sind. Egal, ob im Beruf oder beim Sport. Auch hier gilt das gleiche, wie bei dem anderen Übungen.

Mehr über die Selbstbehandlung mit den Faszientools erfährst du hier: Faszienrollen im Test

Faszientraining Wade

Fazit – Lohnt sich eine Faszienmassage für mich?

Ich empfehle jedem eine Faszienmassage auszuprobieren. Insbesondere Menschen, die schon seit längerer Zeit an Schmerzen leiden und noch kein Mittel dagegen gefunden haben, sollten es ausprobieren.

Wenn du die Vitalität und Leistungsfähigkeit deines Körpers verbessern möchtest, wirst du die positiven Effekte nach einer Faszienmassage genießen können. Besonders nach mehreren Massagen wirst du merken, wie sich dein Wohlbefinden steigert.

 

Probier es aus, du kannst nur gewinnen.